Fassung vom 30. November 2020

Neue Leipzig-Charta

Die transformative Kraft der europäischen Städte

Europa ist geprägt durch eine Vielzahl an kleinen, mittelgroßen und großen Städten. Sie bilden eine polyzentrische Siedlungsstruktur aus funktional zusammenhängenden Räumen, die alle unterschiedliche Potentiale und Herausforderungen aufweisen. Europäische Städte sind mehr als dicht bebaute Siedlungen, sie ermöglichen ein kulturelles, soziales, ökologisches und wirtschaftliches Zusammenspiel. Die meisten Städte sind geprägt von einzigartigen, historisch gewachsenen Innenstädten von außergewöhnlicher kultureller Bedeutung. Sie prägen das städtische Kulturerbe Europas und die Identität Ihrer Einwohnerinnen und Einwohner. Kultur steht im Zentrum jeder nachhaltigen Stadtentwicklung. Dazu zählen auch der Erhalt und die Entwicklung des gesamten baukulturellen und kulturellen Erbes.

Städte sind Orte der Vielfalt, Kreativität und Solidarität. Kulturelle und politische Traditionen bilden die Grundlage für die Entwicklung der Stadt als Ausgangspunkt demokratischer Rechte und Werte. Zudem sind Städte Experimentierfelder für neue Problemlösungsansätze und soziale Innovationen.

Qualitativ hochwertige, für alle offene und sichere öffentliche Räume machen die Stadt lebendig: Sie schaffen Räume für Begegnungen, Austausch und Integration. Es gilt, eine hochwertige Stadtplanung und einen guten Städtebau zu stärken, die zum Wohlergehen aller beitragen. So können kompakte, sozial und wirtschaftlich gemischte Städte mit gut ausgebauten Infrastrukturen und einem gesunden Stadtklima entstehen, die den Menschen die Möglichkeit zur Identifikation bieten. Dafür ist ein ganzheitliches Verständnis von qualitativ hochwertiger Baukultur als Grundlage von integrierten Planungs- und Gestaltungsprozessen notwendig. Dies gilt für die gesamte vom Menschen gebaute Umwelt in europäischen Städten. Dazu gehören das Management und die Umnutzung des Bestands, ebenso wie die Gestaltung und der Bau von zeitgemäßen Gebäuden, Infrastrukturen und öffentlichen Räumen.

Städte und Städtesysteme sollen flexibel und in der Lage sein, auf externe disruptive Ereignisse sowie auf dauerhafte Belastungen reagieren zu können. Um die städtische Widerstandsfähigkeit zu stärken und somit besser auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können, sollten Städte voneinander und aus vergangenen Ereignissen lernen. Auch eine anpassungsfähige Stadtentwicklungspolitik und ein Verwaltungshandeln im Sinne des Gemeinwohls sowie eine ausgewogene Umsetzung der gerechten, grünen und produktiven Dimension tragen zur Entwicklung robuster Strukturen bei. Vorausschauende und präventive Politiken, Konzepte und Projekte sollten dabei verschiedene Szenarien beinhalten. Dies ermöglicht es, Herausforderungen im Umwelt- und Klimabereich vorauszusehen; ebenso wirtschaftliche Risiken, Veränderungen und Gesundheitsprobleme.

Herausgegeben vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bonn

MACHT STADT GEMEINSAM! Die Nationale Stadtentwicklungspolitik ist die zentrale Plattform für integrierte Stadtentwicklung in Deutschland. Als Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Kommunen fördert sie bundesweit innovative Projekte, unterstützt, vernetzt und berät Stadtmacher*innen aus Kommunalpolitik und -verwaltung, Planungsprofessionen und der Zivilgesellschaft. Grundlage der Aktivitäten der Nationalen Stadtentwicklungspolitik ist die Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt, die 2007 verabschiedet und 2020 umfassend erneuert wurde.

Beitrag vom 12. Juni 2021

Die ehemalige „Eisenhütte” ist nun KoFabrik Bochum.

KoFabrik Bochum

„Wir wollen als Verein mit der Quartiershalle neuen Raum zur Verfügung stellen, in dem die Potenziale der Menschen, die dort leben, wirken und arbeiten, weitergedacht und -entwickelt werden.“

Namik Celik der Kofabrik

Im Rahmen sogenannter „Viertelsstunden“ engagieren sich die Mieter*innen für das Gemeinwohl. Auf diese Weise schenkt die Immobilie dem Quartier pro Jahr an die 1.000 Stunden Zeit und Kompetenz.

 

Die dritte Folge der Filmreihe „Die Gamechanger – Kreative Orte, kreative Lösungen” zeigt das von Montag Stiftung Urbane Räume initiierte Projekt der KoFabrik in Bochum. Die Akteur*innen berichten, wie sie die ehemalige „Eisenhütte” in einen Ort für nachbarschaftliche Begegnungen, kooperatives, kreatives Arbeiten und urbane Produktion verwandeln.

© Raute Film. Eine Filmreihe von CREATIVE NRW, Kompetenzzentrum Kreativwirtschaft, der Montag Stiftung Urbane Räume und KLuG e.V.

Gefördert vom *Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, *der Europäischen Union, Investition in unsere Zukunft, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, von *EFRE NRW, Investitionen in Wachstum und Beschäftigung.

Beitrag vom 6. Mai 2021

Erwin Wurm

one minute sculpture

 

LAY DOWN, TAKE A DEEP BREATH, DON’T THINK AND FEEL CONNECTED

– performed by the public –

Mit seinen menschlichen Skulpturen revolutioniert Erwin Wurm das Verständnis von bildender Kunst. Erwin Wurm ist von König Galerie repräsentiert.

© Erwin Wurm, Lay down and don’t think, Mixed Media, 2005, Performed by the public, Adorno was wrong with his ideas about art, Biennale D’Art Contemporain de Lyon, Lyon, France, 2005, VG Bild-Kunst, Foto der Aktion: Werner Reichel, Courtesy König Galerie

„Die internationale Gruppenausstellung AUSZEIT. VON PAUSEN UND MOMENTEN DES AUFBRUCHS im Kunstmuseum Ravensburg versteht sich als Einladung, um – vor dem Hintergrund einer sich zunehmend beschleunigenden Gesellschaft, die sich aktuell im Ausnahmezustand befindet – über die Bedeutungsebenen und Potenziale einer Auszeit nachzudenken.“

„Es stehen Strategien der Entschleunigung und der Präsenzerfahrung im Mittelpunkt, die nicht selten auch humorvoll von den Künstlern unterwandert werden,“

kommentiert Kuratorin Kristina Groß Ausstellungssegment HOW TO BE IN THE MOMENT.

Die Ausstellung AUSZEIT. VON PAUSEN UND MOMENTEN DES AUFBRUCHS wird vom 17. April bis 11. Juli 2021 im Kunstmuseum Ravensburg gezeigt. Bitte recherchieren Sie die realen Öffnungszeiten auf der Website des Museums.

Beitrag vom 28. April 2021

Ina Schoenenburg

Związki – Beziehung

gesehen in KONTINENT – Auf der Suche nach Europa, eine Ausstellung des Fotografenkollektivs Ostkreuz in der Akademie der Künste Berlin, 2.10.2020 bis 18.4.2021

In Ihrem Projekt Związki fotografiert Ina Schoenenburg entlang der deutsch-polnischen Grenze. Die dabei entstandenen Landschaften erinnern an die Westverschiebung der polnischen Grenze und Zwangsumsiedlungen der deutschen und polnischen Menschen. Schoenenburg stellt sich zudem die Frage: „Gibt es heute in der Oderregion ein Europa, in dem ein solidarisches Miteinander gelebt wird?“

© Ina Schoenenburg/Ostkreuz, An der Oder, Grenzdorf Hohenwutzen, Brandenburg, 2019

„Ina Schoenenburg stellt den polnischen und deutschen Landschaften Portraits von Jugendlichen gegenüber, die sich in grenzübergreifenden Projekten engagieren. Diese Gesichter, die wir nicht als polnische oder deutsche identifizieren können, erzählen von einem Versprechen auf eine gemeinsame Zukunft.“

Nach Ingo Taubhorn, Kurator der Ausstellung

© Ina Schoenenburg/Ostkreuz, links: Jugendliche bei einer polnisch-deutschen Kooperation in der Internationalen Kinder- und Jugendbildungstelle Schloß Trebnitz, rechts: Jugendlicher bei einem internationalen Projekt des interkulturellen Zirkus Zack, Oderberg, Brandenburg, 2016

Die Autorenfotografin Ina Schoenenburg erforscht mit Ihrer Arbeit Lebensgewohnheiten in heimischer Umgebung. Sie bleibt dabei Mensch und Gegend zugetan.

Beitrag vom 27. April 2021

Hans-Christian Schink

„Zwischen Plath und Rehberg“

 

„In „Hinterland“ zeigt Hans-Christian Schink spröde Schönheit und transportiert eine Melancholie, die sich aus der Gefährdung eben dieser Landschaft durch Überbeanspruchung ihrer Ressourcen ergibt.”

Robert Morat

© Hans-Christian Schink, „Zwischen Plath und Rehberg“, aus der Serie „Hinterland“, 2012-2019

Hans-Christian Schink forscht mit seiner Kamera zum Thema Landschaft. International gehandelt sind seine Fotografien u.a. aus Verkehrsprojekte Deutsche Einheit,1h, Tōhoku.

Robert Morat Galerie in Berlin repräsentiert Hans-Christian Schink.

Beitrag vom 11. April 2021

Benedikt Partenheimer

“What remains is a collection of water and a reflection of the world.”

 

Partenheimer macht Fotografien mit ästhetischer Brillanz und philosophischer Textur. Im Kontrast zur Schönheit der Aufnahme steht die Botschaft, dass Gletscher zu Wasser werden.

 

© Benedikt Partenheimer, Glacier Water / work in progress
Glacier retreat is one of the most visible consequences of temperature rise in the 20th and 21st century. The area covered by glaciers decreased by 50% since the little ice age (roughly 130 years ago) and new landscapes developed in the ice-free zones. Glacial lakes significantly modify the landscape configuration and visual appearance of high mountain areas and on the other hand represent sedimentary archives that contain important information on past glacier activity, vegetation and climate conditions.
Instead of focusing on the glaciers, the images of this series reveal what they have become – water. Hundreds of glacial lakes emerge in the Alps and their serene and beautiful appearances serve as a silent reminder of what they once were. What remains is a collection of water and a reflection of the world.

Alle Bilder sind kopfüber dargestellt, um somit das aufrechte Bild einer gespiegelten Umgebung zu zeigen.

Benedikt Partenheimer, geboren in München, ist mit seinen fotografischen Reihen zu politischen Themen international geachtet.

Beitrag vom 24. März 2021

Gedankengang in Witten

„Es geht um einen Streifzug durch Gedanken und um Zusammengehörigkeit.“

nach Kata Kern in Zusammenarbeit mit dem laut und leise kollektiv und nach Irja Hönekopp der Wiesenviertel e.V.

Das erzwungene Anhalten des Geschäfts- und Kulturlebens kann erstaunlich Neues entstehen lassen wie zu sehen vom 7. bis 12. Dezember 2020 im Wiesenviertel von Witten in Nordrhein-Westfalen. Künstler und Darsteller bespielen Schaufenster, Projekträume, Orte des Leerstandes und geschlossener Gastronomie mit Kulturaktionen und Kunst. Wittener Spaziergänger können in Ihrer Stadt kleine Spots der Kreativität entdecken.

 

Gabriel Schunk, Performance im lokal. in Witten als ein Teil des Wittener Gedankengangs, Fotos: Dana Schmidt

Der Verein des Wiesenviertels als Zusammenschluss von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden veranlasste, dass Kata Kern zusammen mit dem laut und leise kollektiv, einer losen Gruppe Wittener Künstler, Kulturschaffender, Handwerker und Dienstleister den Wittener Gedankengang – Knotenpunkt von #heimatruhr konzipierte und durchführte. Beauftragt vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen wird #heimatruhr von dem IAT, dem Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule und der ecce GmbH, dem european centre for creative economy durchgeführt.

Beitrag vom 28. Februar 2021

Zitat und Auszug aus einer kulturpolitischen Rede von Robert Habeck, der sich hier bezieht auf das Buch „Der taumelnde Kontinent Europa 1900 -1914" von Philipp Blom und die Krisenanfälligkeit der Belle Époque vor dem Ersten Weltkrieg.

Robert Habeck

„Auch wir leben im Wohlstand, auch wir leben in einer saturierten Gesellschaft. Auch wir leben im Bewusstsein, dass unsere, die westlichen, die nordwestlichen Werte und Normen allgemeingültig sind und dass alle Krisen im Grunde Fußnoten sind in der Erfolgsgeschichte unserer Zeit. Wenn man dieses Selbstverständnis vergleicht mit dem Selbstverständnis von vor dem 1. Weltkrieg, dann merkt man, dass wir uns in die Tasche lügen, dass die Krisenanfälligkeit unserer Zeit nicht eine Addition von lauter Zufälligkeiten ist, sondern möglicherweise und in gewissem Sinne wahrscheinlicherweise etwas mit der Art wie wir leben, wie wir wirtschaften, wie wir unsere Werte und Normen ausfüllen, zu tun hat.“

Dr. Robert Habeck, Philosoph, Schriftsteller, Politiker

gehört auf dem Causales Kulturinvest!-Kongress 2020 Digital

Beitrag vom 08. Februar 2021

Max Kersting

© Max Kersting, Wo sind eigentlich alle?, 2014/2015, anonyme Fotografie mit Text

Eine anonyme Amateurfotografie zeigt den Dunst von Zuhause getränkt im Sehnsuchtslicht der Abendsonne und im für damalige Zeit typischen roten Farbstich von „Buntfotografie“. Kersting prägt die von ihm gesuchte und bewusst eingesetzte Fotografie mit einer draufgeschriebenen simplen Frage: „Wo sind eigentlich alle?“ So inszeniert Max Kersting sein Deutungsspiel zwischen Text und Bild und stimuliert unseren Blick auf Normalität.

uk

Max Kersting verließ die Werbetexterei, um frei zu arbeiten. Kersting komponiert und karikiert witzig bis beißend, immer originär.

Beitrag vom 18. Dezember 2020

Gerhard Stomberg

„Innere Bilder finde ich in der äußeren Wirklichkeit wieder und ich versöhne beides miteinander.“

Zitat Gerhard Stromberg

© Gerhard Stromberg, Feldweg am Morgen (Battonya II), 2008/2013, 19,4 cm x 24,2 cm, Pigmenttinte auf Baumwollpapier, 72 + 5 AP

Battonya ist eine Stadt im Landkreis Békés in der südlichen Tiefebene im Südosten Ungarns.

„An einem grauen Tag begreifst Du auf ewig.“ Aus Gerhard Strombergs Notizen „On a grey day you can see forever.“

2019 erhielt Gerhard Stromberg den Rostocker Kunstpreis der Kulturstiftung Rostock verliehen. Stromberg arbeitet international und lebt in Goldberg in Mecklenburg-Vorpommern. In der Stadt möchte er Entwicklungen anstoßen.

Beitrag  vom 12. August 2020